Stauraum unter der Treppe planen: Maßgeschneiderte Lösungen für Flur und Diele ohne teuren Innenausbau

Warum Stauraum unter der Treppe fast immer verschenktes Potenzial ist

Unter Treppen entstehen in deutschen Häusern und Maisonette-Wohnungen oft 2 bis 6 m2 „unscharfer“ Raum: zu niedrig zum Stehen, zu tief zum Putzen, zu wertvoll zum Ignorieren. Genau hier lässt sich Alltag entlasten: Schuhe, Jacken, Putzkram, Werkzeug, Getränke, Vorräte oder sogar der Staubsaugerroboter bekommen einen festen Platz.

Der wichtigste Punkt aus der Praxis: Stauraum unter der Treppe funktioniert nur, wenn Sie vorher entscheiden, was dort rein soll. Wer „erstmal Schränke baut“, endet meist mit unpraktischen Fächern, in die am Ende doch wieder nur Kram gestopft wird.

Rechnen Sie grob: Ein gut geplanter Treppen-Stauraum ersetzt häufig einen 80 bis 120 cm breiten Schrank im Flur. Das wirkt direkt auf die Optik (weniger Möbel im Sichtbereich) und auf die Laufwege.

  • Ja/Nein: Ist der Bereich vom Flur aus erreichbar, ohne durch Wohnräume zu laufen?
  • Ja/Nein: Gibt es mindestens 60 cm nutzbare Tiefe (nicht nur „Spitze“)?
  • Ja/Nein: Haben Sie ein Stauraum-Ziel (z.B. Schuhe, Putzmittel, Vorräte) statt „gemischt“?
  • Ja/Nein: Können Türen/Fronten so öffnen, dass sie keinen Durchgang blockieren?
  • Ja/Nein: Gibt es eine Lösung für Licht (LED) und Luft (Spalt, Lüftungsgitter)?
  • Ja/Nein: Ist klar, ob es eine Mietwohnung ist (rückbaubar) oder Eigentum (fest einbauen)?
Maßgefertigter Stauraum unter der Treppe im Flur mit hellen Fronten und Auszügen für Schuhe und Taschen
Unter der Treppe gewinnt der Flur Stauraum, ohne voller Schränke zu wirken.

Aufmaß und Planung: So vermeiden Sie die typischen Fehlkäufe

1) Geometrie aufnehmen - schnell, aber korrekt

Unter Treppen sind Maße selten „gerade“. Nehmen Sie sich 30 bis 60 Minuten für ein sauberes Aufmaß, das spart später Tage.

  • Höhenlinie anzeichnen: Markieren Sie an der Wand in 30-cm-Abständen die verfügbare Höhe (z.B. 60, 90, 120, 150 cm). So sehen Sie, wo Schubladen sinnvoll sind und wo nur Auszüge funktionieren.
  • Tiefen prüfen: Messen Sie die Tiefe an mindestens 3 Punkten. Oft verliert man 5 bis 10 cm durch Sockel, Leisten, Vorsprünge.
  • Türanschläge und Laufweg: Türöffnungen dürfen nicht mit Haustür, Zimmertür oder Treppenlauf kollidieren. Im Flur sind 80 bis 90 cm Durchgang ein realistisches Ziel.
  • Strom/Heizung/Revision: Gibt es dort Zähler, Sicherungskasten, Revisionsklappen oder Heizungsleitungen? Dann muss der Zugang frei bleiben.

2) Inhalt definieren - mit realen Maßen

Planen Sie nicht nach Kategorien, sondern nach konkreten Dingen. Messen Sie exemplarisch, was wirklich hinein soll.

  • Schuhboxen: ca. 33 x 20 x 12 cm (variiert), besser offene Schuhkipper oder Gitterauszüge
  • Staubsauger (Stiel): meist 110 bis 125 cm Höhe, plus Ladestation
  • Getränkekisten: ca. 40 x 30 cm Grundfläche, Höhe 33 cm
  • Putzmittel: Flaschen 25 bis 30 cm hoch, Sprühflaschen breiter
  • Werkzeugkoffer: häufig 45 bis 55 cm breit

Praxisregel: Wenn der Bereich „alles ein bisschen“ können soll, planen Sie mindestens 2 Zonen: eine leicht erreichbare für täglich, eine tiefe für selten.

Die 5 besten Stauraum-Typen unter der Treppe (mit typischen Kosten)

1) Schubladen und Vollauszüge - Königsklasse für tiefen Raum

Wenn der Raum unter der Treppe tief ist, sind Schubladen unschlagbar: Sie sehen sofort, was drin ist, und müssen nicht knien und kriechen.

  • Gut für: Schuhe, Mützen/Schals, Spielzeug, Werkzeug, Vorräte
  • Planungstipp: Statt einer riesigen Schublade lieber 2 bis 3 Auszüge in Breiten von 40 bis 80 cm. Das reduziert Gewicht und Verkanten.
  • Hardware: Vollauszüge mit hoher Traglast (mind. 30 kg), Softclose lohnt im Flur (leiser).
  • Kosten grob: DIY ab ca. 250 bis 600 EUR (Material + Auszüge), Schreinerlösung oft 1.500 bis 4.000 EUR je nach Fronten.

2) Dreiecksschrank mit Türen - solide, aber nur mit guter Innenorganisation

Eine klassische Lösung ist ein Schrank mit schräger Deckplatte und Türen. Funktioniert, wenn die Tiefe moderat ist oder Sie innen mit Auszügen nachrüsten.

  • Gut für: Jacken, Taschen, Putzmittel, Staubsauger, Recyclingbeutel
  • Vermeiden: Tiefe Einlegeböden ohne Auszug. Das wird zum „Kellerloch“ im Flur.
  • Innenleben: Gitterauszüge, Hakenleisten, Tür-Innenseiten mit Haltern (z.B. für Bürsten).
  • Kosten grob: Fertigschrank selten passend; eher Einbau. DIY 200 bis 800 EUR, Einbau 1.200 bis 3.500 EUR.

3) Offene Nische mit Körben - schnell, mietfreundlich, aber nur für „schöne“ Dinge

Wenn Bohren und Bauen nicht drin ist: offene Nische mit Regalbrettern und Körben. Das wirkt aber nur ordentlich, wenn die Behälter einheitlich sind.

  • Gut für: Mützen/Schals, Hundeleinen, Sportsachen, Decken
  • Trick: 2 bis 3 identische Körbe statt 7 verschiedene. Einheitliche Fronten beruhigen optisch.
  • Kosten grob: 80 bis 300 EUR (Bretter, Winkel, Körbe).

4) Garderoben-Hub oder Kleiderstange im hohen Bereich

Der hohe Teil unter der Treppe eignet sich für Jacken und Mäntel, wenn Sie eine Kleiderstange sinnvoll positionieren. Wichtig ist die Tiefe: Mäntel brauchen ca. 55 bis 60 cm, sonst knicken sie.

  • Gut für: Saisonjacken, Gästejacken, Taschen
  • Planungstipp: Unten Platz für Schuhwanne oder Abtropfmatte lassen (nasse Schuhe).
  • Kosten grob: 50 bis 250 EUR (Stange, Träger, ggf. Seitenwände).

5) Technik- und Ladezone (Router, Akkus, Saugroboter) - mit Luft und Strom

Unter der Treppe entsteht oft ein zentraler Punkt: ideal für WLAN, Ladestationen, Powerbanks, Werkzeugakkus. Aber: Wärme und Kabelmanagement sind Pflicht.

  • Gut für: Saugroboter, Ladegeräte, Router (wenn nicht im „Funk-Käfig“)
  • Wichtig: Lüftungsschlitze oder 10 bis 15 mm umlaufender Spalt, sonst Hitzestau.
  • Kosten grob: 100 bis 500 EUR plus Elektrik (wenn Steckdosen fehlen).

Fronten, Griffe, Optik: So wirkt es ruhig statt nach Abstellkammer

Im Flur entscheidet die Optik schnell, ob es „Eingang“ oder „Rumpelzone“ ist. Fronten sind deshalb nicht Luxus, sondern Ordnungshilfe.

Grifflose Lösung vs. Griffe

  • Push-to-open: Gut bei klaren, ruhigen Fronten. Nachteil: Fingerabdrücke, bei schweren Auszügen weniger angenehm.
  • Griffleisten: Sehr praxistauglich, weniger Fingerabdrücke. Achten Sie auf angenehme Haptik (keine scharfen Kanten).
  • Normale Griffe: Im Familienalltag oft am besten, weil robust und eindeutig zu bedienen.

Materialien, die im Flur funktionieren

  • Melaminbeschichtete Platten: Preiswert, robust, gut zu reinigen, große Dekorauswahl.
  • Lackierte MDF-Fronten: Schick, aber empfindlicher gegen harte Stöße (Schlüsselbund, Kinderroller).
  • Echtholzfurnier: Warm, wertig, aber Flecken und Kratzer brauchen Pflege.

Praxis-Tipp: Wählen Sie Fronten im Flur eher mittelhell (Greige, Sand, Eiche hell). Zu dunkel zeigt Staub, zu weiß zeigt jeden Schuhabrieb.

Auszüge und Schubladen unter der Treppe mit LED-Innenlicht für geordnete Aufbewahrung im Eingangsbereich
Auszüge plus LED machen tiefen Treppenraum wirklich nutzbar.

Licht, Belüftung, Gerüche: Die unterschätzten Erfolgsfaktoren

LED-Licht: klein, günstig, riesiger Effekt

Unter der Treppe ist es fast immer dunkel. Ein einfaches LED-Profil oder LED-Streifen mit Türkontakt macht den Stauraum sofort alltagstauglich.

  • Einfach: Batteriebetriebene Schrankleuchten mit Bewegungssensor (gut für Mietwohnungen)
  • Besser: LED-Streifen 24 V mit Netzteil in der Nähe, Tür-Kontaktschalter oder PIR-Sensor
  • Montage: Licht nach vorne/unten, nicht direkt in Augenhöhe (Blendung im Flur)

Belüftung gegen Muff und Schimmel

Gerade wenn nasse Schuhe, Jacken oder Putzmittel dort lagern, braucht der Bereich Luft. Sonst riecht es schnell „geschlossen“.

  • Planen Sie Lüftungsgitter in Tür/Seitenwand oder einen dezenten Spalt
  • Keine komplett dichten Kisten für feuchte Dinge
  • Für Schuhe: herausnehmbare Schuhwanne oder Gummimatte, die man abwischen kann

Mietwohnung vs. Eigentum: Was ist sinnvoll und was riskant?

In der Mietwohnung: rückbaubar denken

  • Freistehende Korpusse oder Regale, die nur geklemmt/gestellt werden
  • Fronten als leichte Vorsatzlösung (z.B. Rahmen mit Magneten) nur, wenn es erlaubt ist
  • Keine Eingriffe in Elektroinstallation ohne Abstimmung

Im Eigentum: sauber bauen statt improvisieren

  • Stabile Unterkonstruktion, gerade Frontfugen
  • Revisionszugang zu Leitungen/Verteilern sicherstellen
  • Schallschutz: Filzgleiter, Dämpfer, Softclose, damit es nicht „klappert“

Konkrete Mini-Projekte für den Alltag (3 bewährte Setups)

Setup A: Familienflur (Schuhe, Mützen, Schulzeug)

  • 2 breite Auszüge unten für Schuhe (mit herausnehmbarer Matte)
  • 1 mittlerer Auszug für Mützen/Schals/Handschuhe
  • Offenes Fach auf Griffhöhe für Schulrucksäcke (schnell abstellen)

Setup B: Minimal-Flur (Ordnung ohne sichtbare Kleinteile)

  • Schranktüren mit 2 Innenauszügen (Putzmittel, Vorräte)
  • Oben: Ablage für selten genutzte Dinge (Reisetaschen)
  • LED-Licht mit Türkontakt, damit man nichts sucht

Setup C: Technik + Putzen (kleine Wohnung, kein Abstellraum)

  • Hoher Bereich: Staubsauger + Wandhalterung
  • Mittig: Ladeboard mit Kabelkanal, Mehrfachsteckdose
  • Unten: Auszug für Recycling, Müllbeutel, Lappen

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Fehler: Tiefe Fächer ohne Auszug. Lösung: Mindestens einen Vollauszug pro „tiefer Zone“ einplanen.
  • Fehler: Türen schlagen in den Flur. Lösung: Schiebetür oder geteilter Türanschlag, oder Auszüge statt Türen.
  • Fehler: Keine Sockel-/Leistenplanung. Lösung: Sockel zurückspringen lassen, damit Türen sauber schließen.
  • Fehler: Kein Schutz vor Dreck/Feuchte. Lösung: Wannen, Matten, abwischbare Oberflächen, Luftspalt.
  • Fehler: Zu wenig Licht. Lösung: LED ab Werk einplanen, nicht „später irgendwann“.

Podsumowanie

  • Definieren Sie zuerst den Inhalt (mit echten Maßen), dann die Möbel.
  • Für tiefe Bereiche sind Schubladen und Vollauszüge die praktischste Lösung.
  • Planen Sie Fronten im Flur robust und pflegeleicht, mittelhelle Töne wirken am ruhigsten.
  • Licht (LED) und Belüftung entscheiden über Alltagstauglichkeit und Gerüche.
  • In Mietwohnungen rückbaubar arbeiten, im Eigentum sauber mit Revision und Kabelmanagement.

FAQ

Welche Mindesttiefe braucht Stauraum unter der Treppe?

Ab ca. 35 bis 40 cm Tiefe sind flache Regale oder Schuhkipper möglich. Wirklich komfortabel wird es ab 55 bis 60 cm, vor allem für Jacken und Auszüge.

Sind Auszüge unter der Treppe stabil genug für Getränkekisten?

Ja, wenn Sie Vollauszüge mit ausreichender Traglast (mind. 30 kg, besser 40 kg) wählen und die Korpusführung sauber und rechtwinklig bauen.

Wie verhindere ich muffigen Geruch bei Schuhen?

Mit Luft: Lüftungsgitter oder Spalt, keine dichten Boxen für feuchte Schuhe, und eine herausnehmbare Matte/Wanne zum Reinigen. Optional Aktivkohlebeutel.

Lohnt sich eine Maßanfertigung vom Schreiner?

Wenn der Flur stark sichtbar ist, der Raum sehr schief/kompliziert ist oder Sie maximale Nutzung wollen. Bei einfachen Geometrien sind DIY oder Systemlösungen oft ausreichend.