Wandfarbe im Mietvertrag: Streichen, Ausbessern, Übergabe ohne Stress
Worum es bei Wandfarbe in Mietwohnungen wirklich geht
Beim Thema Wandfarbe in der Mietwohnung prallen drei Dinge aufeinander: Ihre Gestaltungsfreiheit, der Zustand der Wohnung bei Rückgabe und das, was im Mietvertrag wirksam geregelt ist. In der Praxis scheitern Wohnungsübergaben selten an „zu bunt“, sondern an unklaren Erwartungen, schlecht ausgeführten Ausbesserungen und pauschalen Forderungen nach Komplettanstrich.
Gute Nachricht: In vielen Fällen müssen Sie nicht die ganze Wohnung streichen, sondern nur sauber in einen „neutralen, üblichen“ Zustand zurückversetzen. Entscheidend ist, was tatsächlich sichtbar ist, wie stark und wie fachgerecht gearbeitet wurde.
In diesem Artikel bekommen Sie eine Vorgehensweise, die sich in deutschen Übergaben bewährt: erst prüfen, dann punktgenau entscheiden, dann sauber ausführen und dokumentieren.
| Situation | Typische Forderung | Praxis-Lösung |
| Bunte Akzentwand (kräftig) | „Alles weiß streichen“ | Nur betroffene Wand neutral streichen, Übergänge sauber, Deckkraft prüfen |
| Bohrlöcher, Dübel, Kratzer | „Neuanstrich nötig“ | Spachteln, schleifen, lokal grundieren, ausbessern (Farbton treffen) |
| Vergilbte Decken, Nikotin | „Renovierung komplett“ | Sperrgrund + Deckenanstrich, ggf. Wände nur bei sichtbarer Belastung |

Schritt 1: Mietvertrag richtig lesen, ohne juristische Nebelkerzen
Schauen Sie in den Mietvertrag und in eventuelle Zusatzvereinbarungen (Übergabeprotokoll, Nachträge). Relevant sind meist drei Bausteine:
- Schönheitsreparaturen-Klausel: Wer ist grundsätzlich fürs Streichen zuständig?
- Fristenpläne: Starre Vorgaben („alle 3 Jahre“) sind häufig problematisch. In der Praxis zählt der tatsächliche Zustand.
- Farbvorgaben: „Bei Rückgabe in neutralen, hellen Farben“ ist oft realistischer als „muss weiß sein“.
Praktischer Umgang damit: Diskutieren Sie nicht abstrakt über Klauseln, sondern arbeiten Sie zustandsorientiert. Vermieter reagieren deutlich besser auf „Ich stelle die Wände wieder neutral her, hier ist mein Plan“ als auf Grundsatzdebatten.
Was „neutral“ in der Übergabe meist bedeutet
Neutral heißt in der Praxis: hell, zurückhaltend, ohne extreme Sättigung. Typische sichere Bereiche sind gebrochene Weißtöne, sehr helle Grautöne oder warmes Off-White. Entscheidend ist, dass ein Nachmieter problemlos weiterstreichen kann, ohne mehrfach decken zu müssen.
- Akzeptiert: Off-White, sehr helles Greige, sehr helles Grau
- Problematisch: Schwarz, kräftiges Blau/Rot/Grün, sehr dunkle Erdtöne
- Auch heikel: starke Strukturfarben, Effektfarben, Kalk-/Lehmoptik mit Fleckenbild
Schritt 2: Bestandsaufnahme wie ein Profi (30 Minuten, spart Tage)
Machen Sie eine nüchterne Sichtprüfung bei Tageslicht. Ziel ist nicht Perfektion, sondern eine klare Liste: Was muss wirklich gemacht werden, damit es bei der Übergabe keinen Angriffspunkt gibt?
Check: Wo Übergaben typischerweise kippen
- Streiflicht-Zonen: neben Fenstern, Flurwände mit Seitlicht. Hier sieht man Ansatzstellen und Rollspuren.
- Heizkörperbereiche: Ruß/Staubfahnen, vergraute Kanten.
- Über Möbeln: Abrieb, dunkle Schatten, „Speck“.
- Decke über Küche: Fettfilm, Nikotin, Gelbstich.
- Bohrloch-Cluster: TV-Wand, Regale, Garderobe, Kinderzimmer.
Dokumentation: So sichern Sie sich ab
- Fotos in gleicher Perspektive: Gesamtansicht + Detail.
- Ein Lineal oder Maßband für Größenvergleich bei Schadstellen.
- Kurze Notiz je Raum: „2x Bohrloch links, 1x Kratzer 10 cm“.
Wenn Sie mit dem Vermieter vorab sprechen: Schicken Sie 6 bis 10 aussagekräftige Fotos und schlagen Sie konkrete Maßnahmen vor. Das reduziert Überraschungen.
Schritt 3: Entscheiden, ob Ausbessern reicht oder ein Neuanstrich nötig ist
Die wichtigste Entscheidung ist wirtschaftlich: punktuell ausbessern (billig, schnell, aber riskant) oder komplett streichen (teurer, aber „sauberer“ in der Wirkung). Nutzen Sie diese Praxis-Regeln:
Ausbessern reicht meistens, wenn …
- nur einzelne Bohrlöcher und kleine Kratzer vorhanden sind,
- der Farbton noch beschaffbar oder gut annäherbar ist,
- die Wand nicht stark ausgeblichen ist (Sonnenseite),
- keine starken Flecken (Nikotin, Fett, Wasser) vorliegen.
Komplett streichen ist sinnvoll, wenn …
- die Wand kräftig/farbig war und jetzt neutral werden muss,
- viele Flickstellen entstehen (mehr als ca. 10 bis 15 pro Wand),
- Ansätze in Streiflicht sicher auffallen würden (Flur, große Fensterfront),
- Vergilbung, Rauch oder Fettfilm sichtbar sind.
Budget und Zeit grob planen (realistisch für Deutschland)
- Material: 80 bis 220 EUR für Farbe, Abdeckmaterial, Spachtel, Rollen (Wohnung 50 bis 80 m2, je nach Qualität).
- Profi-Maler: häufig 12 bis 25 EUR pro m2 Wandfläche als Richtwert (stark variabel nach Region und Zustand).
- DIY-Zeit: 1 Zimmer ausbessern 2 bis 4 Stunden, komplett streichen 6 bis 10 Stunden inkl. Abkleben und Trocknung.
Schritt 4: Sauber ausbessern, ohne dass man es später sieht
Ausbessern scheitert fast immer am Farbton, am Glanzgrad oder an „Kanten“. So bekommen Sie es alltagstauglich hin:
1) Bohrlöcher und Dübel richtig schließen
- Dübel ziehen oder bündig schneiden (je nach Typ). Lockere Dübel immer raus.
- Loch entstauben (Pinsel oder Staubsauger).
- Mit Feinspachtel füllen, leicht überstehen lassen.
- Nach Trocknung plan schleifen (Körnung 120 bis 180), Staub entfernen.
Wichtig: Wenn Sie zu weich spachteln und nicht schleifen, bleibt ein Hügel. Den sieht man nach dem Streichen stärker als das Loch.
2) Saugende Spachtelstellen grundieren
Unbehandelte Spachtel saugt die Farbe anders auf. Ergebnis: matte Flecken. Lösung: lokal mit Tiefgrund oder Sperrgrund (je nach Fleck) dünn vorstreichen, trocknen lassen.
3) Farbton treffen: so minimieren Sie das Risiko
- Wenn noch ein Resttopf existiert: gut aufrühren, Probe an verdeckter Stelle.
- Ohne Originalfarbe: ein kleines Abplatz-Stück (wenn möglich) oder Farbfächer-Abgleich im Baumarkt.
- Immer eine Testfläche (10 x 10 cm) machen und nach Trocknung bei Tageslicht prüfen.
Praxis-Tipp: Selbst „weiß“ ist nicht gleich weiß. Unterschiedliche Weißtöne fallen besonders in Flur und Wohnzimmer auf.
4) Übergänge unsichtbar machen
- Nicht als Punkt ausbessern, sondern klein flächig (z.B. 30 x 30 cm) mit weichen Rändern.
- Mit kleiner Rolle arbeiten, gleiche Struktur wie die Wand erzeugen.
- Keine harten Pinselränder.
Schritt 5: Wenn Sie streichen: Vorgehen für ein Ergebnis ohne „Vermieter-Spotting“
Ein kompletter Anstrich ist oft der einfachere Weg, wenn die Farbgeschichte kompliziert ist. Entscheidend ist die Vorbereitung. Das sind die Schritte, die in Übergaben wirklich zählen.
Vorbereitung: 60 Prozent der Qualität
- Alles abdecken: Boden, Steckdosen, Schalter, Sockelleisten (saubere Kanten).
- Wände reinigen, wo nötig: Fettfilm (Küche) mit mildem Reiniger, danach klar nachwischen.
- Risse und Löcher spachteln, schleifen, entstauben.
Materialwahl: nicht am falschen Ende sparen
- Deckkraftklasse: lieber bessere Qualität, weniger Anstriche.
- Matte Farbe ist verzeihender bei kleinen Unebenheiten als seidenglänzend.
- Rolle passend zur Wand: glatte Wand fein, Raufaser mittlere Florhöhe.
Streichen ohne Streifen
- Kanten zuerst (Pinsel), dann Fläche mit Rolle.
- Nass in nass arbeiten, Bahnen überlappen.
- Gleichmäßiger Druck, nicht „trockenrollen“ am Ende.
- Bei Bedarf zweiten Anstrich nach Trocknung.

Sonderfälle: Nikotin, Schimmelverdacht, Wasserflecken, farbige Grundierungen
Nikotin und starke Vergilbung
Wenn Decken und Wände gelblich sind oder riechen, reicht normale Dispersionsfarbe oft nicht. Sie brauchen eine Sperrschicht, sonst schlägt es durch.
- Sperrgrund auf die betroffenen Flächen.
- Dann Decke streichen, erst danach Wände.
- Lüften und Trocknung einplanen (Geruch).
Wasserflecken
- Ursache klären (Fenster, Rohr, Dach). Reines Überstreichen ist optisch kurzlebig.
- Isoliergrund lokal, danach deckend streichen.
- Bei wiederkehrenden Flecken: Vermieter schriftlich informieren, bevor Sie kosmetisch arbeiten.
Schimmelverdacht
Schimmel ist kein „Streichproblem“. Überstreichen bringt bei Übergaben eher Ärger, weil es als kaschiert wirken kann. Besser: dokumentieren, melden, Ursache (Lüften, Wärmebrücken, Feuchte) klären.
Übergabe praktisch vorbereiten: So vermeiden Sie Nachforderungen
1) Vorab-Abnahme vereinbaren
Wenn möglich: 2 bis 4 Wochen vor Auszug einmal gemeinsam durchgehen. Fragen Sie konkret: „Welche Wände sind aus Ihrer Sicht zu bearbeiten?“ Notieren Sie es.
2) Übergabeprotokoll: worauf Sie bestehen sollten
- Alle Räume einzeln aufführen.
- Zählerstände, Schlüsselanzahl, Einbauten.
- Mängel schriftlich konkret, nicht pauschal („Wände schlecht“ ist zu ungenau).
3) Kaution und Nacharbeiten
Wenn der Vermieter Nacharbeiten fordert: Bitten Sie um genaue Beschreibung und angemessene Frist. Häufig lässt sich ein kleiner Nachbesserungstermin schneller lösen als ein Streit um die Kaution.
Podsumowanie
- Mietvertrag lesen, aber zustandsorientiert handeln: neutral und sauber ist das Ziel.
- Bestandsaufnahme bei Tageslicht: Streiflicht-Zonen und Flecken sind entscheidend.
- Ausbessern nur, wenn Farbton und Wandzustand mitspielen, sonst komplett streichen.
- Bohrlöcher: spachteln, schleifen, lokal grundieren, dann ausbessern.
- Bei Nikotin/Wasserflecken: Sperrgrund einplanen, nicht nur überrollen.
- Übergabe: Vorab-Abnahme, sauberes Protokoll, klare Mängelbeschreibung.
FAQ
Muss ich die Wohnung bei Auszug immer weiß streichen?
In der Praxis zählt: neutral und üblich. Weiß ist oft die sicherste Wahl, aber nicht zwingend, wenn ein heller, neutraler Ton gleichwertig wirkt und sauber ausgeführt ist.
Reicht es, nur die bunte Wand zu streichen?
Meist ja, wenn die übrigen Wände gepflegt sind und der Übergang nicht auffällt. In Streiflicht-Fluren oder bei stark ausgeblichenen Wänden kann ein kompletter Raum sinnvoller sein.
Wie vermeide ich sichtbare Flecken nach dem Ausbessern?
Spachtelstellen lokal grundieren, Farbton testen, nicht punktuell tupfen, sondern kleinflächig mit weichen Rändern rollen. Matte Farbe verzeiht mehr als glänzende.
Was mache ich mit Nikotinflecken an Decke und Wänden?
Sperrgrund verwenden, zuerst Decke, dann Wände streichen. Normale Farbe ohne Sperrschicht schlägt häufig nach kurzer Zeit wieder durch.
