Kellergeruch in der Wohnung stoppen: Ursachen finden, richtig lüften und dauerhaft abdichten
Warum Kellergeruch entsteht und warum „mehr Duft“ das Problem verschlimmert
Kellergeruch ist fast immer ein Feuchteproblem: Wasser oder dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit trifft auf organische Materialien (Staub, Holz, Karton, Textilien) und Mikroorganismen. Der typische muffige Geruch kann in die Wohnung ziehen, obwohl die Ursache im Keller, im Treppenhaus oder in einer feuchten Außenwand liegt.
Raumsprays, Duftkerzen und Ozon-Geräte überdecken nur kurz oder sind sogar riskant. Sinnvoll ist: Quelle finden, Feuchte senken, Leckagen und Luftwege abdichten, dann Materialien reinigen oder ersetzen.
Gute Nachricht: In vielen Fällen reicht eine Kombination aus Messung, Lüftungsroutine und ein paar gezielten Abdicht- und Reinigungsarbeiten für unter 150 bis 400 EUR. Bei baulichen Ursachen (aufsteigende Feuchte, undichte Bodenplatte) wird es ein Renovierungsthema.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Erster Praxis-Test |
| Muffig nach Regen | Feuchte dringt über Wand/Boden ein | Wandbereiche mit Küchenpapier abtupfen und Feuchteflecken markieren |
| Muffig nach Lüften im Sommer | Sommerkondensation im kühlen Keller | Hygrometer: Außenluft hat höhere absolute Feuchte als Kellerluft |
| Geruch nur im Flur | Undichte Wohnungstür, Treppenhausquelle | Papierstreifen-Test an Türdichtung, ggf. Rauchtest mit Räucherstäbchen |

Geruchsquelle eingrenzen: 30 Minuten Diagnose statt Rätselraten
Bevor du abdichtest oder Geräte kaufst, kläre: Wo entsteht der Geruch, und wie kommt er in die Wohnung? Diese Mini-Diagnose funktioniert in Mietwohnung, Reihenhaus und Altbau zuverlässig.
Schritt 1: Zonen-Check (Keller, Treppenhaus, Wohnung)
- Keller: riecht es direkt am Eingang stärker? Gibt es einen „Hotspot“ (Ecke, hinter Regal, an Außenwand)?
- Treppenhaus/Flur: riecht es dort auch, besonders im Erdgeschoss?
- Wohnung: ist es an der Wohnungstür am stärksten (Dichtung), oder an Außenwänden/Einbauschränken?
Tipp aus der Praxis: Geruch „wandert“ über Luftwege. Die stärkste Wahrnehmung ist nicht immer die Quelle, sondern oft die Eintrittsstelle (undichte Tür, Versorgungsschacht).
Schritt 2: Messen statt schätzen (Hygrometer und Oberflächencheck)
Ein einfaches digitales Hygrometer (10 bis 20 EUR) bringt Klarheit. Entscheidend sind zwei Werte:
- Relative Luftfeuchte: dauerhaft über 60 Prozent ist ein Warnsignal, über 70 Prozent kritisch.
- Temperatur: kalte Oberflächen begünstigen Kondensation.
Zusatz: Fühle mit der Hand an Außenwänden im Keller (kühl, klamm), schau nach dunklen Fugen, Salz-Ausblühungen, abplatzendem Putz und Rost an Metall.
Schritt 3: Typische Geruchsquellen im Keller gezielt prüfen
- Karton, Papier, alte Teppiche: nehmen Feuchte auf und müffeln schnell. Ein Karton kann „wie der ganze Keller“ riechen.
- Holzregale und Latten: bei hoher Feuchte oft Stockflecken an Rückseiten.
- Abfluss / Bodenablauf: ausgetrockneter Siphon oder Biofilm im Ablauf.
- Waschküche: feuchte Wäsche, Kondenswasser am Trockner, Flusensieb, Abluftschlauch.
- Außenwand-Ecken: Schimmel startet gern hinter Schränken oder Regalen ohne Luftzirkulation.
Richtig lüften im Keller: Sommerfalle vermeiden, Feuchte wirklich senken
Der häufigste Fehler in Deutschland: Im Sommer tagsüber Kellerfenster auf, weil es „frische Luft“ gibt. Warme Außenluft enthält oft mehr Wasserdampf. Trifft sie auf kühle Kellerwände, kondensiert Wasser und der Keller wird feuchter.
Die einfache Regel: Lüften nur, wenn die Außenluft trockener ist
- Sommer: kurz lüften früh morgens oder spät abends, wenn es draußen kühler ist.
- Winter: Stoßlüften ist meist ideal, kalte Luft bringt wenig absolute Feuchte mit.
- Regen/feuchte Nebellage: Fenster zu, sonst holst du Feuchte rein.
Praxis-Setup: Ein Hygrometer im Keller und eins draußen (oder Wetter-App mit Feuchte plus Temperatur). Wenn du nur einen Wert nimmst: Lüfte bevorzugt dann, wenn es draußen deutlich kühler ist als im Keller.
Stoßlüften statt Kipplüften
- 2 bis 3 mal täglich 5 bis 10 Minuten, je nach Wetter.
- Querlüftung (zwei Öffnungen) wirkt viel stärker als ein einzelnes Kippfenster.
- Fenster dauerhaft gekippt: bringt im Sommer Feuchte, im Winter kühlt es Bauteile aus.
Luftwege in die Wohnung abdichten: schnelle Maßnahmen mit großer Wirkung
Wenn der Geruch aus Keller oder Treppenhaus in die Wohnung zieht, ist der Luftweg das erste Ziel. Das ist in Mietwohnungen oft erlaubt und günstig.
Wohnungstür: Dichtungen und Absenkdichtung prüfen
- Papierstreifen-Test: Papier zwischen Tür und Zarge einklemmen. Lässt es sich leicht herausziehen, ist die Dichtung schwach.
- Türdichtung nachrüsten: selbstklebende Dichtung (EPDM) an Zarge, auf saubere, entfettete Fläche.
- Türspalt unten: Zugluftstopper hilft, besser ist eine Absenkdichtung (je nach Tür, 40 bis 120 EUR plus Montage).
Realität: In Altbauten sind Haustüren und Wohnungstüren oft nicht luftdicht. Schon eine gute Zargendichtung reduziert Geruch und auch Heizwärmeverluste.
Durchdringungen und Schächte: kleine Spalten, großer Geruch
- Prüfe Rohrdurchführungen unter Spüle, im Bad, hinter WC, Heizungsrohre.
- Abdichten mit Acryl (überstreichbar) oder Sanitärsilikon (nicht überstreichbar), je nach Stelle.
- Bei größeren Spalten: Stopfwolle (Mineralwolle) plus Acryl-Abschluss, sauber und brandschutzbewusst arbeiten.
Geruch aus Abflüssen: Siphon und Ablauf als „Geruchsventil“
- Siphon nachfüllen: bei selten genutzten Bodenabläufen im Keller: 1 bis 2 Liter Wasser einfüllen.
- Biofilm entfernen: Siphon abschrauben, mechanisch reinigen (Bürste), wieder montieren.
- Wenn es gluckert: mögliche Entlüftungsprobleme der Abwasserleitung, Vermieter oder Fachbetrieb einschalten.
Materialien im Keller: Was bleibt, was muss raus, was muss „hoch“?
Selbst wenn du die Feuchte senkst, können „Geruchsspeicher“ im Keller den Muff über Monate halten. Hier lohnt sich konsequentes Aussortieren.
Diese Dinge gehören nicht in feuchte Keller
- Karton, Bücher, Aktenordner, Textilien in Stofftaschen
- Polstermöbel, Matratzen, Teppiche
- Offene Lebensmittel, Tierfutter, Saatgut
Besser lagern: robuste Systeme, die in Deutschland gut verfügbar sind
- Euroboxen (Kunststoff, stapelbar) statt Kartons
- Metallregale oder Kunststoffregale mit Abstand zur Außenwand (mindestens 5 bis 10 cm)
- Paletten oder Regalfüße: nichts direkt auf den Boden stellen, 5 cm Luft helfen gegen Kondenswasser
Reinigen, aber richtig: Schimmelverdacht pragmatisch behandeln
Bei kleinen Stockflecken an harten Oberflächen: mechanisch reinigen, dann desinfizierend nacharbeiten. Bei starkem Befall an porösen Materialien (Teppich, Gipskarton, Dämmung) ist Entsorgung oft die realistischste Lösung.
- Harte Oberflächen: erst feucht abwischen, dann mit 70 Prozent Isopropanol oder geeignetem Schimmelentferner nach Anleitung.
- Textilien: wenn muffig und lange feucht gelagert, meist nicht mehr „neutral“ zu bekommen.
- Holz: oberflächlich schleifen kann helfen, aber nur wenn die Feuchteursache gelöst ist.
Technik, die wirklich hilft: Entfeuchter, Lüfter, Sensoren
Wenn Lüften allein nicht reicht, ist Technik sinnvoll. Wichtig ist die richtige Dimensionierung und ein realistischer Betrieb.
Kondensationsentfeuchter: der Alltagshelfer (aber mit Kosten)
- Für viele Keller reichen Geräte mit 10 bis 20 Liter/Tag Nennleistung (abhängig von Temperatur und Feuchte).
- Stromverbrauch beachten: je nach Gerät und Laufzeit oft 0,2 bis 0,6 kWh pro Stunde Betrieb.
- Idealer Zielbereich: 50 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte.
Praxis-Tipp: Stell den Entfeuchter nicht direkt an die Außenwand in die kälteste Ecke, sondern so, dass Luft zirkulieren kann. Tür zum Treppenhaus dabei geschlossen halten, sonst trocknest du „das ganze Haus“.
Lüfter mit Feuchtesteuerung: sinnvoll bei kleinen, fensterlosen Kellern
- Ein einfacher Abluftventilator mit Hygrostat kann Feuchtespitzen abführen.
- Wichtig: Es muss Nachströmung geben (z.B. Türgitter), sonst läuft der Lüfter ineffektiv.
- In Mietobjekten vorher klären, ob Kernbohrung erlaubt ist.
Sensorik: klein anfangen, aber korrekt platzieren
- Ein Sensor in Atemhöhe (ca. 1,2 bis 1,5 m) und ein Sensor in Bodennähe zeigt Kondensationsrisiko.
- Nicht direkt neben Fenster oder Entfeuchter messen, sonst sind Werte geschönt.
Bauliche Ursachen erkennen: Wann Abdichten und Streichen nicht mehr reichen
Wenn du dauerhaft über 65 bis 70 Prozent Luftfeuchte hast, sichtbare Salzränder entstehen oder Putz abplatzt, ist die Ursache oft baulich. Dann hilft Kosmetik nicht dauerhaft.
Typische Anzeichen für aufsteigende Feuchte oder eindringendes Wasser
- Feuchtezone beginnt am Boden und zieht 20 bis 80 cm hoch
- Salzausblühungen (weißliche Kristalle), bröseliger Putz
- Muff auch nach konsequentem Entfeuchten und Lüften
Was du als Eigentümer pragmatisch prüfen lassen solltest
- Außenabdichtung und Drainage (bei älteren Häusern oft lückenhaft)
- Risse in Kellerwand, defekte Lichtschächte, undichte Fenster
- Rückstau und Bodenablauf (Rückstauklappe, Dichtheit)
Als Mieter: dokumentiere (Datum, Wetterlage, Messwerte, Fotos) und melde es schriftlich. Je besser deine Fakten, desto schneller passiert etwas.

Konkreter 7-Tage-Plan: so bekommst du Kellergeruch spürbar runter
Tag 1: Messen und Hotspots markieren
- Hygrometer aufstellen, Werte morgens und abends notieren.
- Geruchszonen im Keller und im Flur prüfen.
- Verdächtige Kartons/Textilien in Säcke packen (erst mal aus dem Keller raus).
Tag 2: Luftwege abdichten
- Wohnungstür: Dichtung prüfen, ggf. erneuern.
- Türspalt unten: provisorisch Zugluftstopper, langfristig Absenkdichtung.
- Rohrdurchführungen mit Acryl/Silikon schließen.
Tag 3: Abflüsse und Bodenabläufe
- Siphons reinigen, Bodenabläufe auffüllen.
- Geruch kommt aus einem Ablauf: Geruchsverschluss kontrollieren.
Tag 4-5: Lagerung umstellen und reinigen
- Alles vom Boden hoch, Abstand zur Außenwand schaffen.
- Schimmelverdächtige poröse Sachen entsorgen.
- Regale und Wände dort reinigen, wo es mufft.
Tag 6-7: Lüftungsroutine einspielen oder Entfeuchter testweise einsetzen
- Sommer: nur morgens/abends stoßlüften.
- Feuchte bleibt hoch: Entfeuchter 2 bis 4 Stunden/Tag testen und Werte vergleichen.
Podsumowanie
- Erst Quelle und Luftweg finden: Keller, Treppenhaus, Wohnungstür, Schächte.
- Sommerlüften nur bei kühlerer Außenluft, sonst holst du Feuchte rein.
- Wohnungstür abdichten und Rohrdurchführungen schließen: oft der größte Hebel.
- Geruchsspeicher raus: Karton, Textilien, Teppiche nicht im Keller lagern.
- Bei dauerhaft hoher Feuchte oder Salzrändern: bauliche Ursache prüfen lassen.
FAQ
Hilft ein Luftreiniger gegen Kellergeruch?
Nur begrenzt. Er filtert Partikel, aber muffiger Geruch kommt meist von Feuchte und mikrobiellen Prozessen. Erst Feuchte und Quelle lösen, dann kann ein Filter ergänzen.
Wie erkenne ich, ob ich im Sommer falsch lüfte?
Wenn der Keller nach langem Lüften „schwerer“ riecht und die Luftfeuchte steigt, war die Außenluft wahrscheinlich feuchter. Lüfte dann nur morgens oder spät abends.
Was kann ich als Mieter ohne Ärger machen?
Dichtungen an der Wohnungstür nachrüsten (rückbaubar), Zugluftstopper nutzen, Lagerung ändern, Siphons reinigen und Messwerte dokumentieren. Bauliche Themen schriftlich melden.
Wann ist ein Entfeuchter sinnvoll?
Wenn die Luftfeuchte trotz richtiger Lüftung dauerhaft über ca. 60 Prozent bleibt oder du regelmäßig Kondenswasser an Wänden/Fenstern siehst. Dann gezielt auf 50 bis 60 Prozent regeln.
