Küche ohne Oberschränke planen: mehr Luft, genug Stauraum und gutes Licht auf 6 bis 12 qm
Warum eine Küche ohne Oberschränke in Deutschland oft besser funktioniert als gedacht
Oberschränke sind klassisch, aber sie bringen auch typische Probleme: Kopfstoß-Gefahr, dunkle Arbeitsflächen, optische Unruhe und schwer erreichbare Zonen. Eine Küche ohne Hängeschränke wirkt sofort ruhiger, heller und größer. Das ist besonders auf 6 bis 12 qm Küchenfläche ein echter Hebel.
Der Knackpunkt ist nicht „ob“, sondern „wie“: Stauraum muss planbar in gut nutzbaren Bereichen liegen, und Licht muss die fehlende Unterbauleuchte ersetzen. Wenn das sitzt, ist die Küche alltagstauglich, auch für Familien.
Wichtig: Ohne Oberschränke darf die Küche nicht zu „leer“ geplant werden. Leere Wandfläche braucht entweder eine Funktion (Stauraum, Schutz, Organisation) oder eine bewusst ruhige Gestaltung. Sonst wirkt es unfertig.
| Option | Vorteil | Typischer Haken |
| Ohne Oberschränke, dafür mehr Unterschränke (Auszüge) | Beste Ergonomie, alles im Griffbereich | Mehr Budget für Auszugssysteme |
| Ohne Oberschränke, mit Hochschrankwand | Maximaler Stauraum, ruhige Wand | Braucht klare Zonierung, sonst wirkt es „blockig“ |
| Ohne Oberschränke, mit offenen Regalen | Leicht, dekorativ, günstig | Staub, Fettfilm, Unruhe bei Alltagskram |

Stauraum-Strategie: Erst Inventur, dann Raster
Wer ohne Oberschränke plant, muss als Erstes den Inhalt kennen. Nicht grob, sondern in Kategorien. Das verhindert, dass später Mixer, Vorräte und Töpfe auf der Arbeitsplatte landen.
Mini-Inventur in 20 Minuten
- Täglich: Teller, Gläser, Becher, Besteck, Pfannen, Gewürze, Kaffee, Frühstückskram.
- Wöchentlich: Töpfe, Auflaufformen, Vorratsdosen, Backzubehör.
- Selten: Raclette, Einkochtopf, große Platten, Saisonartikel.
- Platzfresser: Getränkekisten, Papierrollen, Altglas, Biomüll-Equipment.
Regel: Alles, was täglich genutzt wird, gehört in Auszüge zwischen Hüfte und Schulterhöhe. Selten genutzte Teile dürfen höher (Hochschrank) oder tiefer (Sockelauszug, unterste Ebene).
Unterschränke richtig wählen: Auszüge statt Türen
Ohne Oberschränke sind Auszugsschränke der Standard, nicht die „Luxusoption“. Türen mit Einlegeböden verschwenden den hinteren Raum und erzwingen Bücken und Kramen.
- 80 cm Auszug für Töpfe und Pfannen (2 bis 3 Ebenen).
- 60 cm Auszug für Teller und Schüsseln (Tellerhalter lohnt sich).
- 40 bis 50 cm Auszug für Vorräte, Dosen, Küchenhelfer.
- 30 cm Auszug als Gewürz- und Ölzone direkt neben dem Kochfeld.
Praxis-Tipp: Plane lieber weniger Schränke, aber die richtigen. Ein 80er Auszug ersetzt oft zwei 40er mit schlechterer Nutzung.
Hochschrankwand: Der Stauraum-Joker ohne „Küchenblock“-Optik
Wenn Oberschränke wegfallen, ist die Hochschrankwand die stabilste Lösung. Sie schluckt Vorräte, Geräte, Besen, Staubsauger, sogar die Mikrowelle. Damit sie nicht wuchtig wirkt:
- Maximal eine Wand mit Hochschränken (meist 2 bis 3 Elemente).
- Fronten ruhig: matte, helle Töne oder Holzoptik ohne starke Maserung.
- Geräte bündig einbauen (Backofen auf Brusthöhe, Kühlschrank integriert oder als ruhiger Solitär).
- Eine Nische einplanen: z.B. Kaffeeplatz mit Steckdosen, damit Arbeitsfläche frei bleibt.
In Mietwohnungen: Prüfe, ob die Wand tragfähig ist für Hängeschränke war früher relevant. Für Hochschränke ist es eher eine Frage von geraden Böden und sauberer Ausrichtung (Keile, Stellfüße).
Die Wand ohne Oberschränke: Schutz, Ordnung und Proportion
Die freie Wand ist Chance und Risiko. Ohne Schutz wird sie schnell fleckig (Fett, Tomatenspritzer), ohne Struktur wirkt sie leer oder unruhig.
Spritzschutz: Praktische Lösungen ohne Fliesen-Marathon
- Rückwandplatte (HPL, Alu-Verbund, ESG-Glas): schnell montiert, gut zu reinigen.
- Überstreichbare Wandfarbe in scheuerbeständig (Nassabriebklasse 1): gut hinter Spüle, aber am Kochfeld nur mit zusätzlichem Schutz sinnvoll.
- Edelstahlblech hinter dem Kochfeld: robust, aber Fingerabdrücke sichtbar.
Praxis-Tipp: Wenn Budget knapp ist, setze Spritzschutz nur dort, wo es zählt: 80 bis 120 cm hinter dem Kochfeld und 60 bis 80 cm hinter der Spüle. Der Rest kann gute Farbe sein.
Offene Regale: Ja, aber mit klaren Regeln
Offene Regale ersetzen keine Oberschränke 1:1. Sie sind sinnvoll für Dinge, die schön aussehen und oft genutzt werden. Alles andere sieht schnell nach Abstellfläche aus.
- Regaltiefe: 15 bis 20 cm reichen für Gläser, Tassen, Gewürze.
- Abstand zur Arbeitsplatte: ca. 45 bis 55 cm, damit man komfortabel arbeitet.
- Maximal 1 bis 2 Regalböden pro Wandabschnitt, sonst wirkt es unruhig.
- Einheitliche Behälter: 3 bis 4 gleiche Gläser/Boxen bringen Ruhe.
Wenn du viel frittierst oder stark anbrätst: Regale nicht direkt neben das Kochfeld setzen. Fettfilm kommt sicher.
Schiene statt Regal: Mehr Ordnung bei weniger Optik
Eine Küchenreling (z.B. mit Haken, Becherhalter, Gewürzkörben) ist oft alltagstauglicher als ein Regal. Sie nimmt wenig Wandfläche, wirkt leichter und lässt sich flexibel anpassen.
- Haken nur für 5 bis 8 Teile nutzen (Pfannenwender, Sieb, Schere).
- Gewürze lieber in einem Korb bündeln statt 20 Döschen einzeln.
- Magnetleiste für Messer nur, wenn Kinder nicht drankommen.
Lichtplanung ohne Unterbauleuchten: So wird die Arbeitsplatte nicht dunkel
Ohne Oberschränke fehlen klassische Unterbauleuchten. Das ist der häufigste Planungsfehler: schönes Foto, schlechte Alltagstauglichkeit. Du brauchst stattdessen zwei Ebenen Licht: Allgemeinlicht und gezieltes Arbeitslicht.
Arbeitslicht: Drei praxiserprobte Varianten
- Deckenspots in Reihe vor der Zeile (nicht mittig im Raum): Licht fällt auf die Arbeitsplatte, nicht auf deinen Rücken.
- Lichtschiene (Track) mit 3 bis 5 Spots: flexibel, ideal bei langen Zeilen.
- Wandleuchte mit langem Arm über dem Hauptarbeitsbereich: gut bei Altbau, wenn Decke schwierig ist.
Richtwert: Spots etwa 50 bis 70 cm vor der Schrankfront positionieren (je nach Tiefe der Arbeitsplatte). Ziel ist, dass der Lichtkegel die vordere und mittlere Arbeitsfläche trifft.
Lichtfarbe und Helligkeit, ohne zu übertreiben
- Neutralweiß (ca. 3500 bis 4000 K) für Arbeitszonen.
- Warmweiß (2700 bis 3000 K) für Essplatz oder offene Wohnküche.
- Hoher Farbwiedergabeindex (CRI 90+) macht Lebensmittel „echt“ und nicht grau.
Wenn du nur ein Lichtsystem willst: Nimm dimmbare Leuchten und stelle abends wärmer über separate Leuchte am Essbereich oder über eine zweite Lichtgruppe.

Grundrisse und Griffzonen: So wird es ergonomisch auf 6 bis 12 qm
Ohne Oberschränke wird die Arbeitsfläche optisch wichtiger. Gleichzeitig darf sie nicht zur Lagerfläche werden. Die Lösung liegt in klaren Zonen.
Die 5-Zonen-Logik (einfach, aber wirksam)
- Vorrat: Hochschrank oder breiter Auszug, nahe der Eingangstür.
- Aufbewahren: Teller, Gläser, Besteck in Auszügen nahe Spülmaschine.
- Spülen: Spüle, Müll, Putzmittel, Geschirrspüler als Block.
- Vorbereiten: größte freie Fläche zwischen Spüle und Kochfeld.
- Kochen: Kochfeld, Pfannen/Töpfe darunter, Gewürze daneben.
Praxis-Tipp: Plane den Müll direkt unter die Arbeitsfläche im Spülenbereich (Auszugssystem mit 2 bis 3 Eimern). Das ist in Küchen ohne Oberschränke besonders wichtig, weil du weniger „Ausweichflächen“ hast.
Welche Küchenform passt?
- Einzeilige Küche (6 bis 8 qm): funktioniert, wenn du mindestens 3,0 bis 3,6 m Zeile hast und einen Hochschrank sinnvoll integrierst.
- L-Form (8 bis 12 qm): bestes Verhältnis aus Arbeitsfläche und Laufwegen, ideal ohne Oberschränke.
- U-Form: nur, wenn die Durchgangsbreite stimmt. Sonst wird es eng und Oberschränke fehlen nicht, aber Luft auch nicht.
Richtwert Laufwege: zwischen Zeile und Gegenzeile ideal 100 bis 120 cm. Unter 90 cm wird es nervig, besonders zu zweit.
Budget und typische Kostenpunkte: Wo sich Investitionen lohnen
Ohne Oberschränke sparst du nicht automatisch viel Geld. Du verschiebst das Budget eher in bessere Unterschrank-Innenleben und Licht. Typische Stellschrauben (grob, je nach Anbieter und Montage):
- Auszüge: kosten mehr als Türen, bringen aber echte Nutzfläche.
- Innenorganisation (Besteckeinsätze, Tellerhalter, Antirutschmatten): kleiner Posten, große Wirkung.
- Rückwand: HPL ist oft günstiger als Glas, aber hochwertiger als nur Farbe.
- Licht: Schiene/Spots plus Elektrik kann spürbar sein, verhindert aber „Dunkelküche“.
Konkreter Praxis-Tipp: Wenn du sparen musst, spare eher an Deko (Regale, Accessoires) als an Auszügen im Hauptbereich und an Arbeitslicht. Beides nervt täglich, wenn es falsch ist.
Alltagstauglichkeit: Fett, Staub und „Ablage-Fallen“ verhindern
Ohne Oberschränke ist die Versuchung groß, Geräte dauerhaft stehen zu lassen. Das sieht schnell unruhig aus. Plane stattdessen bewusst zwei Ablage-Strategien.
Strategie 1: Geräte parken statt ausstellen
- Hochschrank mit Innensteckdose für Toaster, Mixer, Küchenmaschine.
- Auszug mit hoher Front für Geräte, die nicht täglich laufen.
- Eine definierte „Kaffeezone“ auf der Arbeitsplatte, der Rest bleibt frei.
Strategie 2: Wandfläche bewusst ruhig lassen
- Maximal ein funktionales Element pro Abschnitt: entweder Reling oder ein kleines Regal oder ein Bild.
- Wandfarbe oder Rückwandmaterial mit ruhiger Oberfläche (matt, wenig Struktur).
- Wenn offen: nur ein Set Geschirr zeigen, nicht alles mischen.
Podsumowanie
- Ohne Oberschränke funktioniert am besten mit Auszügen und mindestens einer klar geplanten Hochschranklösung.
- Starte mit Inventur: täglich genutzte Dinge in Griffhöhe, seltenes nach oben oder unten.
- Plane Arbeitslicht aktiv: Spots oder Lichtschiene vor der Zeile, sonst wird die Platte dunkel.
- Freie Wand braucht Funktion: Spritzschutz, Reling oder gezielt wenige Regale.
- Vermeide Ablage-Fallen: Geräte parken, Kaffeezone definieren, Rest frei halten.
FAQ
Verliere ich ohne Oberschränke zu viel Stauraum?
Nicht zwingend. Mit 2 bis 3 Hochschränken und überwiegend Auszug-Unterschränken bekommst du oft gleich viel nutzbaren Stauraum, nur besser erreichbar.
Welche Rückwand ist am pflegeleichtesten?
ESG-Glas und Alu-Verbund sind sehr pflegeleicht. HPL ist ebenfalls robust und meist günstiger. Reine Wandfarbe funktioniert, aber am Kochfeld nur mit zusätzlichem Schutz sinnvoll.
Wie verhindere ich dunkle Arbeitsflächen?
Setze die Leuchten nicht in die Raummitte. Plane Spots oder eine Lichtschiene etwa 50 bis 70 cm vor der Zeile und nutze neutralweißes Licht (ca. 3500 bis 4000 K) für die Arbeitszone.
Sind offene Regale hygienisch sinnvoll?
Ja, wenn sie klein gehalten und nicht direkt neben dem Kochfeld platziert werden. Nutze Regale für häufig genutztes, optisch ruhiges Geschirr und bündle Kleinteile in wenigen einheitlichen Behältern.
