Strom und Kabel im Wohnzimmer sauber lösen: Steckdosen, Verlängerungen und TV-Wand ohne Kabelsalat
Warum Kabelchaos im Wohnzimmer mehr als nur „unschön“ ist
Im Wohnzimmer treffen viele Verbraucher auf wenig Infrastruktur: TV, Soundbar, Router, Lampen, Ladegeräte, manchmal ein E-Bike-Akku oder ein Luftreiniger. Wenn Steckdosen ungünstig sitzen, entstehen Mehrfachsteckdosen-Ketten, lose Kabel über Laufwege und wacklige Adapter.
Das ist nicht nur ein Designproblem. In der Praxis sind die häufigsten Folgen: Stolperfallen, Staubnester hinter Lowboards, wärmestauende Netzteile, wackelige Stecker (Kontaktprobleme) und zu knapp bemessene Leitungen, die dauerhaft unter Zug stehen.
Gute Nachricht: Du brauchst selten eine komplette Elektro-Sanierung. Mit einem sauberen Plan, ein paar Bauteilen und klaren Zonen bekommst du das in 1-2 Stunden pro Bereich in den Griff.
- Sicherer (keine Ketten, keine Zugbelastung, weniger Hitze)
- Alltagstauglich (Staubsaugen, Umstellen, Gerätewechsel)
- Ruhiger Look (weniger sichtbare Leitungen, klare Linien)
Typische Ausgangslagen in deutschen Wohnungen
- Altbau: wenige Steckdosen, oft ungünstig verteilt, dünne Sockelleisten.
- Neubau: mehr Steckdosen, aber TV-Wand und Routerplatz trotzdem „falsch“ geplant.
- Mietwohnung: Bohren eingeschränkt, keine Schlitze, Rückbau muss möglich sein.
- Wohnzimmer 18-28 m2: Sofa frei im Raum, TV an Innenwand, Laufwege quer durch den Raum.
Zielbild: Pro Zone eine „Strombasis“, kurze sichtbare Kabel, alles montiert oder geführt, sodass nichts baumelt und nichts überhitzt.
Checkliste (Ja/Nein): Passt deine aktuelle Stromlösung?
- Stecken Geräte ohne Mehrfachsteckdosen-Kette (ja/nein)?
- Liegt kein Kabel in einem Laufweg oder unter Teppichkanten (ja/nein)?
- Sind Netzteile frei belüftet und nicht hinter Kissen/Vorhängen eingeklemmt (ja/nein)?
- Kannst du ein Gerät tauschen, ohne alles auszustecken (ja/nein)?
- Gibt es eine klar definierte Ladezone für Handy/Tablet (ja/nein)?
- Sind Kabel am TV/Lowboard fixiert und nicht als Schlaufe sichtbar (ja/nein)?
- Ist die Mehrfachsteckdose mechanisch entlastet (Kabelzug) und nicht „hängend“ (ja/nein)?

Plan in 20 Minuten: Zonen festlegen und Lasten realistisch einschätzen
Bevor du Kabelkanäle kaufst: Mach eine Mini-Bestandsaufnahme. Das verhindert Fehlkäufe und die klassische Falle „zu kurze Leisten, zu wenig Steckplätze“.
Schritt 1: Drei Stromzonen definieren
- TV-Medien-Zone: TV, Soundbar/AVR, Konsole, Streaming-Box, evtl. Subwoofer.
- Sofa-Zone: Stehlampe, Leselicht, Ladegeräte, evtl. Beistelltisch mit USB.
- Router/Netzwerk-Zone: Router, Switch, DECT-Basis, NAS, ggf. Smart-Home-Bridge.
Idee: Jede Zone bekommt eine eigene Mehrfachsteckdose und eine saubere Kabelführung. So musst du nicht alles an einer einzigen Stelle stapeln.
Schritt 2: „Wand“ oder „Möbel“ entscheiden
Für die TV-Zone gibt es zwei saubere Strategien:
- Wandführung: Kabelkanal senkrecht/horizontal, TV hängt, darunter Lowboard. Gut, wenn du einen festen TV-Platz hast.
- Möbelführung: Alles im/unter dem Lowboard, Wand bleibt ruhig. Gut, wenn du öfter umstellst oder nicht in die Wand eingreifen willst.
Schritt 3: Steckplätze zählen und Reserve einplanen
Rechne pro Zone mindestens +30 Prozent Reserve ein. Beispiel TV-Zone: TV (1), Soundbar (1), Konsole (1), Streaming (1), Subwoofer (1), Ladegerät Controller (1) = 6. Nimm eine 8-fach Leiste, nicht 6-fach.
Wichtig: Keine Mehrfachsteckdose in die nächste stecken (Daisy Chain). Wenn Steckplätze fehlen, muss die Lösung anders werden: zweite Leiste an anderer Steckdose oder Elektriker für zusätzliche Steckdose.
Die TV-Wand ohne Kabelsalat: So sieht es in der Praxis sauber aus
Die TV-Wand ist der sichtbarste Bereich. Ziel: Nur ein kurzer, geordneter Weg vom TV ins Lowboard und keine „Spinnenbeine“ seitlich.
Variante A: Kabelkanal an der Wand (mietfreundlich, rückbaubar)
Für Mietwohnungen ist ein lackierbarer Kabelkanal (meist 30-60 mm breit) die Standardlösung. Er wird geklebt oder gedübelt, lässt sich bei Auszug sauber entfernen oder überstreichen, je nach Untergrund.
- Vertikal hinter dem TV: Ein Kanal vom TV-Abgang nach unten bis Oberkante Lowboard.
- Horizontal hinter dem Lowboard: Kurzer Kanal, um Steckdose(n) zu erreichen.
- Farbe: Weiß auf weißer Wand oder in Wandfarbe lackieren (Acryllack, leicht anschleifen).
Profi-Tipp: Plane den Kanal so, dass er nicht direkt am Rand des TVs sichtbar ist. Lieber 5-8 cm nach innen versetzen, wo er vom Gerät verdeckt wird.
Variante B: TV an die Wand, Steckdosen in Möbelhöhe (Eigentum oder größere Maßnahme)
Wenn du Eigentum hast oder ohnehin renovierst: Eine Doppelsteckdose plus Netzwerk in Lowboard-Höhe ist ideal. Dann verschwindet fast alles im Möbel und du brauchst nur kurze Leitungen.
- Steckdosenhöhe: oft 30-40 cm über Fertigfußboden (abhängig vom Lowboard).
- Netzwerkdose: sinnvoll für stabile TV-Streams, wenn WLAN schwächelt.
- Einbau durch Elektriker, besonders wenn neue Leitungen nötig sind.
Lowboard als Kabelzentrale: drei Details, die den Unterschied machen
- Belüftung: Router/AVR nicht in ein geschlossenes Fach ohne Luft setzen. Nutze offene Rückwand oder Lüftungsgitter.
- Kabeldurchführungen: Vorhandene Löcher nutzen oder mit Lochsäge sauber nachrüsten. Kanten mit Tülle/ Bürstendurchlass schützen.
- Kabelreserve: Nicht straff ziehen. 10-15 cm Reserve als Service-Schlaufe, aber fixiert, nicht baumelnd.
Netzteile und „Wandwarzen“ bändigen
Viele Geräte haben klobige Steckernetzteile, die benachbarte Steckplätze blockieren. Praktische Lösungen:
- Mehrfachsteckdose mit 90-Grad-Anordnung oder extra Abstand zwischen Buchsen.
- Kurze IEC-Kaltgerätekabel statt Netzteil, wo möglich (z.B. manche Konsolen/TVs, abhängig vom Gerät).
- Netzteil-Box (Kabelbox) mit Luftschlitzen, wenn es ordentlich sein soll. Nicht überfüllen.
Mehrfachsteckdosen richtig einsetzen: sicher, zugentlastet, erreichbar
Die Mehrfachsteckdose ist oft der Schwachpunkt, nicht das Kabel. Mit drei Regeln wird sie stabil und sicher.
Regel 1: Keine Ketten, keine Dauer-Last auf Billigleisten
Für TV-Zonen sind schaltbare Leisten praktisch, aber achte auf Qualität (solides Gehäuse, stabile Kontakte). Wenn du Geräte mit höherer Last betreibst (Heizlüfter, mobile Klimageräte): nicht über Mehrfachsteckdose im Wohnzimmer verteilen, sondern direkt an Wandsteckdose.
Regel 2: Leiste fixieren, nicht hängen lassen
Wenn eine Leiste frei „am Kabel“ hängt, lockern sich Stecker. Besser:
- Unter dem Lowboard verschrauben (wenn Eigentum oder unkritische Stelle im Möbel).
- Mit starkem Klettband oder Montagepads unter Möbelkante kleben (mietfreundlicher).
- In eine Kabelbox legen, die rutschfest steht.
Regel 3: Erreichbarkeit planen
Die Leiste sollte erreichbar sein, ohne dass du das ganze Lowboard vorziehen musst. Typische Praxis-Lösung: Leiste an der Rückseite innen, aber so, dass du von oben/hinten drankommst, oder seitlich im letzten Fach.
Sofa- und Ladezone: Schluss mit Kabeln über den Boden
Im Alltag nerven vor allem Ladekabel und Stehlampenleitungen. Ziel: Strom dahin bringen, wo du sitzt, ohne Laufwege zu kreuzen.
Option 1: Steckdosenleiste hinter dem Sofa (unsichtbar, schnell)
- Flache Leiste hinter dem Sofa platzieren, Kabel nach unten führen.
- Zuleitung entlang Sockelleiste im Kabelkanal oder mit Kabelclips.
- Ladegerät(e) in eine kleine Box oder in ein Sofa-Organizer-Panel integrieren.
Wichtig: Wenn das Sofa frei im Raum steht, führe die Leitung nicht quer über den Boden. Dann ist Option 2 meist besser.
Option 2: Strom über Teppichkante oder unter Möbeln führen (ohne Stolperstelle)
Wenn du unbedingt eine Leitung über einen Bereich führen musst: niemals lose. Besser:
- Flacher Kabelkanal am Bodenrand (an der Wand), nicht in der Raummitte.
- Unter einem Sideboard oder einer Bank entlang führen.
- Bei Teppich: Kabel nur an der Außenkante, fixiert mit Teppichband oder flachem Kabelprotektor. Keine dicken Mehrfachleisten unter Teppichen.
Option 3: Beistelltisch mit integrierter Ladefläche (praktisch, aber plane Kabelweg)
Ein Tisch mit USB oder Qi ist nur dann „clean“, wenn das Zuleitungskabel sauber geführt ist. Plane eine feste Route zur nächsten Steckdose (Sockelleiste, hinter Vorhang, entlang Möbelkante).
Router und Netzwerk: klein, aber oft die größte Unordnung
Router-Ecken eskalieren schnell: Netzteil, DSL/Glasfaser, LAN-Kabel, DECT, Smart-Home-Gateways. Gleichzeitig muss alles belüftet bleiben und erreichbar sein.
So ordnest du die Router-Zone in 30 Minuten
- Standort prüfen: nicht im geschlossenen Schrank, nicht direkt auf dem Boden, nicht hinter Metall (z.B. Heizkörperverkleidung).
- Kabel kürzen durch richtige Längen: Zu lange Patchkabel ersetzen (0,5-1 m statt 5 m).
- Beschriften: Kleine Etiketten an beiden Enden (LAN1-TV, LAN2-Konsole).
- Netzteil-Cluster: In eine belüftete Kabelbox, aber Router selbst außerhalb oder auf der Box.
Praxis-Tipp: Wenn WLAN im Wohnzimmer schwach ist, ist ein besserer Standort oder ein Access Point oft sinnvoller als „noch ein Repeater“. Das reduziert auch Kabelquerverbindungen.

Montage ohne Stress: Befestigen, bündeln, unsichtbar führen
Ein ordentlicher Look entsteht nicht durch „wegdrücken“, sondern durch Fixierung und klare Wege.
Gute Helfer (mietfreundlich, günstig)
- Klett-Kabelbinder: wieder lösbar, ideal für HDMI und Strombündel.
- Kabelclips mit Klebepad: für Sockelleiste, Rückseite Möbel, Tischunterseite.
- Bürstendurchlass/Tüllen: für saubere Durchführungen im Lowboard.
- Kabelschlauch: bündelt 3-8 Leitungen, gut hinter dem TV.
So bündelst du richtig (damit es später wartbar bleibt)
- Strom und Signal (HDMI/LAN) nicht brutal zusammenpressen, lieber parallel führen und sauber fixieren.
- Pro Gerät eine kleine Service-Schlaufe und dann bündeln.
- Jedes Kabel so führen, dass du es einzeln lösen kannst, ohne den ganzen Strang zu zerstören.
Wenn Bohren nicht geht: saubere Alternativen
- Montagekleber/Pads für leichte Kabelkanäle (Untergrund vorher entfetten).
- Klett-Montage für Steckdosenleisten unter Möbeln.
- Freistehende Kabelboxen hinter dem Lowboard.
Kosten und Zeit: realistische Richtwerte
Für ein typisches Wohnzimmer (TV-Zone + Sofa-Laden + Router-Ecke) liegen viele Lösungen im Rahmen:
- Budget 25-60 EUR: Kabelbinder, Clips, einfache Kabelbox, 1-2 Mehrfachleisten.
- Mittel 60-150 EUR: lackierbare Kabelkanäle, hochwertige Leisten, Durchführungen, kurze HDMI/LAN-Kabel in passenden Längen.
- Plus 150-400 EUR: neues Lowboard mit Kabelmanagement, zusätzliche Wandsteckdose (Elektriker), ggf. Netzwerkdose.
Zeit: 60-120 Minuten pro Zone, wenn du vorher misst und die Route festlegst.
Podsumowanie
- Definiere Stromzonen (TV, Sofa, Router) statt alles an einer Leiste zu sammeln.
- Plane Steckplätze mit 30 Prozent Reserve und vermeide Mehrfachsteckdosen-Ketten.
- TV-Kabel sauber über Kanal oder im Lowboard führen, mit Durchführungen und Fixierung.
- Mehrfachleisten immer zugentlasten und befestigen, nicht hängen lassen.
- Ladezone am Sofa so planen, dass keine Kabel über Laufwege laufen.
- Router-Ecke mit kurzen Kabeln, Beschriftung und Belüftung ordnen.
FAQ
Kann ich Kabelkanäle in der Mietwohnung kleben, ohne Ärger bei der Übergabe?
Ja, wenn du einen glatten, tragfähigen Untergrund hast und rückstandsfrei lösbare Montagepads nutzt. Vorher entfetten, an unauffälliger Stelle testen und beim Auszug sauber entfernen.
Ist es okay, eine Mehrfachsteckdose in eine andere zu stecken?
Nein, das ist eine typische Fehlerquelle (Überlast, Kontaktprobleme). Besser: zweite Leiste an eine andere Wandsteckdose oder eine zusätzliche Steckdose fachgerecht installieren lassen.
Wie verstecke ich Netzteile, ohne dass sie überhitzen?
Nutze eine belüftete Kabelbox und überfülle sie nicht. Netzteile dürfen nicht in Textilien eingeklemmt werden. Router und AV-Receiver brauchen zusätzliche Luft und sollten nicht in geschlossene Fächer.
Was ist die schnellste Verbesserung mit dem größten Effekt?
Mehrfachsteckdose befestigen (Klett oder Schrauben am Möbel), Kabel mit Klett bündeln und einen einzigen vertikalen Kabelweg hinter dem TV definieren. Das reduziert sofort sichtbares Chaos.
